Samstag, 30. Juli 2022

Tatü-tata die Spielzeugfeuerwehr ist da!

Während Deutschland über Layla diskutiert - oder vielleicht auch nicht mehr, kriege hier wenig mit - haben meine Kinder sich einen anderen Ballermann-Hit ausgesucht. Dort geht es nicht um Prostitution, sondern um Schienenfahrzeuge, die aufgrund einer Fehlkonstruktion nicht in der Lage sind ihre Geschwindigkeit entscheidend zu verringern. Wird direkt mitgesungen, obwohl das Thema ja eigentlich ein tragisches ist. Ich will euch aber auch nicht mit Geschichten meiner Kinder langweilen. Wobei ich mich generell frage, warum ihr immer so heiß auf diese Blogeinträge seid, die ja eigentlich nicht wirklich spannende Inhalte bieten. Wie auch immer.

In Polen ist es so, dass Spielzeuge im besten Falle batteriebetrieben sind (komisch, dass man hier keine E-Autos sieht). Diese Spielzeuge können sich dann bewegen, blinken oder nervige Geräusche machen. Häufig können sie auch alles zusammen. Ich weiß, das gibt's auch bei uns, aber ich habe das Gefühl, dass die Anzahl dieser Spielsachen hier einfach größer ist. So bin ich also alle möglichen Geräusche gewohnt. Als ich gestern beim Frühstück saß wunderten mich also die Sirenengeräusche gar nicht. Auch wenn ich sie vorher noch nicht gehört habe. Das waren so ziemlich alle Sirenengeräusche die ihr euch bei Einsatzfahrzeugen vorstellen könnte. Vom typischen Martinshorn, welches wir gewohnt sind bis hin zu allem was man sonst aus dem TV gewohnt ist. Alles kurz nacheinander. Nur wurde das plötzlich immer lauter, bis sich herausstellte, dass das die echte Feuerwehr war. Ich weiß nicht ob der "Klingelton" durch einen Feuerwehrmann gesteuert wurde, der dann vermutlich den coolsten Job der Welt und unfassbar viel Spaß haben muss, oder ob das vom Band kommt. 

Wo wir gerade bei coolen Jobs sind: Eine der größten und beliebtesten Supermarkt-Ketten in Polen ist "Biedronka", was "Marienkäfer" heißt. Ich weiß nicht, ob es in Polen auch ein Beamtentum gibt, aber wenn, dann streitet sich der Marienkäfer mit dem Staat um die besten Leute. Die Kassierer*inne...nee wartet in Polen gibt's nur zwei Geschlechter und da legen die auch wert drauf. Die Kassiererinnen arbeiten in einem Tempo, welches seines gleichen sucht. Hier müsst ihr wirklich beim Einkauf das MHD im Auge behalten, weil möglich ist, dass die Lebensmittel verdorben sind, wenn ihr endlich an der Reihe seid. Warum der Discounter nicht "Schnecke" heißt, weiß nur der Gründer der vermutlich mehrfach alle Konsonanten und keinen Vokal in seinem Namen trägt.

Übrigens gibt es auch in Polen Lebensmittel die knapp geworden sind. Anders als bei uns, ist und war das allerdings nicht Mehl und auch Öl gab es wohl immer genug. Nein, hier fehlt es an Zucker. Ich habe tatsächlich bei jedem Supermarkt-Besuch (ich liebe ausländische Supermärkte!) darauf geachtet, aber nirgends war Zucker zu bekommen. Wie ihr euch sicher erinnert, ist die Konsequenz, dass die Supermärkte dann die Verkaufsmenge reduzieren. So gab es nur eine Packung Mehl oder eine Flasche Öl, als wir den Mangel hatten - diesen Kniff kennt man auch hier. So könnt ihr pro Einkauf nur 5 Kilo Zucker kaufen.


Dienstag, 26. Juli 2022

Jesus und die Maschinengewehre

Ich möchte diesen Eintrag mit der Erfolgsnachricht beginnen, dass das verschwundene Kuschelkissen wieder aufgetaucht ist. Alle haben gesucht. Mehrfach. Tagelang. 

Am Sonntag waren wir bei einer riesigen Kirchenveranstaltung - möglicherweise habe ich da in einem früheren Blogeintrag schonmal drüber geschrieben, weil wir da in der Vergangenheit schoneinmal waren. Das Ganze fand auf einem Kirchengelände mit Friedhof und viel Freifläche statt. Quasi ein Polski Open Air. Wer etwas auf sich hält, hat seinen Klappstuhl mitgebracht. Nach einer gigantischen Messe die über Lautsprecher bis in die hinterletzte Ecke übertragen wird, geht es dann auf das Festivalgelände wo in erster Linie lose Süßigkeiten, Spielzeug, Kirchenmerchandise und Kampfmesser in allen Größen und Formen verkauft werden. Mein Lieblingsort war der, wo Jesusbilder direkt neben unzähligen Spielzeugmaschinengewehren verkauft wurden. Kurioserweise kommt diese Veranstaltung ohne wirkliche Fress- und Bierstände aus.

Parallel fand aber in der Innenstadt ein dreitägiges Stadtfest statt, zu dem wir nach dem Mittagessen dann auch gefahren sind. Dort gab es dann das kälteste Tyskie aller Zeiten. Leider war es auch sehr gestreckt, was mir in der brennenden Sonne allerdings relativ egal war. Selbst ein verwässertes Tyskie ist intensiver als jedes Kölsch. Die Futterstände boten allerhand leckeres Fastfood, welches jedoch praktisch 1:1 deutsche Kirmespreise hatte. Das hinterlässt schon die Frage, wie sich der Ottonormal-Pole das leisten soll. Ich meine mal gelesen zu haben, dass das monatliche Durchschnittseinkommen bei knapp 1000€ netto liegt. Der Preis für einen Liter Super liegt aktuell etwa bei umgerechnet 1,60€ - ja günstiger als bei uns, aber wenn man bedenkt, dass man hier auf dem Land noch viel angewiesener auf ein Auto ist, fragt man sich wirklich, wie die Menschen hier das teilweise schaffen.

Ich habe dem Mann der Cousine meiner Frau eine Flasche "Southern Comfort" mitgebracht. Kannte er nicht, mochte er sofort. Das erste Glas hab ich noch gemischt, das zweite machte dann er und ich hatte direkt die Lampen an. 50:50 wird gemischt, sind schließlich zwei Getränke und das muss ausgeglichen bleiben.

Sonntag, 24. Juli 2022

Warmes Bier - nicht mit mir!

Ein Jahr ist vergangen seit ich zuletzt etwas über meine Abenteuer in Polen geschrieben habe. Das klingt nach einer langen Zeit, hat aber den ganz einfachen Grund, dass es auch ein ganzes Jahr her ist, seit wir das letzte Mal hier waren. 

Es weht eine leichte Brise, ich sitze im Schatten, von drinnen zieht der feine Duft von Rouladen hinaus. Die Vögel zwitschern, mein Sohn schnarcht und das letzte Auto ist vor etwa 15 Minuten hier vorbeigefahren. Man könnte meinen, es hat sich hier eigentlich nichts verändert und abgesehen von vielen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen hier auf dem Hof, ist das auch so. Es gibt jetzt eine Solaranlage auf einem Dach und der Mann der Cousine meiner Frau überprüft täglich auf seinem Smartphone die Leistung dieser Anlage und der Wärmepumpe, die auch neu ist. Der gegenüber sind seine Schwiegereltern aber noch misstrauisch und fürchten im Winter zu erfrieren. Kleine Parallele zum kommenden Winter bei uns - mit dem Unterschied, dass ich nicht glaube, dass hier auch nur eine Sekunde gefroren wird. Auf jeden Fall cool einfach so Duschen zu können, ohne dass Tante zuvor ein paar Holzscheite entzünden muss.

An unserem ersten Abend gab es auch direkt ein kleines Lagerfeuer mit Wurst am Stiel. Gestern waren wir dann auf dem Geburtstag einer anderen Cousine. Und die lebt mal so richtig auf dem Bauernhof. Große Silos, Schweinegequieke und der typische Hauch von Schweinearsch in der Luft. Wir befanden uns draußen, weil dort einfach mehr Platz ist als drinnen. Und was soll ich sagen, mit der Zeit riecht man die Schweine auch nicht mehr. Man gewöhnt sich dran. Eine andere Gewohnheit, die ich weiterhin nicht nachvollziehen kann und die ich auch niemals entwickeln werde, ist der Hang zu warmen Bier. Genau eins habe ich mir da gegönnt, mehr geht nicht. Lieber ein kaltes Krombacher als ein warmes richtiges Bier. Ich weiß, harte Worte von mir, aber ich kann es nicht anders umschreiben. 

Genauso wenig wie an kühles Bier, glaubt der Haushalt dieser anderen Cousine an Fliegengitter. Schon bei uns ja für viele ein Muss, so sind die Teile natürlich auf dem Land und gerade da wo Viehzucht betrieben wird umso wichtiger. Hier entschied man sich für einen dicken Vorhang an der Haustür, der zwar die Fliegen draußen hielt, dafür aber auch keinen Sauerstoff und keine Luft generell hineinließ. Ich glaube uns hat es hier, bei der anderen Cousine schon gut getroffen. 

Wir gehen jetzt mal weiter das Kuschelkissen "Kiss" meines jüngsten Sprösslinges suchen, das er verbummelt hat und niemand von uns bislang finden konnte. Könnten noch harte Tage für ihn werden...naja und damit auch für uns. 


Montag, 19. Juli 2021

Dziękuję!

Ihr kennt doch sicherlich diese LED-Schilder, die immer dort aufgestellt werden, wo Autofahrer häufig zu schnell unterwegs sind?! Wo dann eure aktuelle Geschwindigkeit gemessen, manchmal auch angezeigt wird. Seid ihr zu schnell leuchtet dann gern mal rot "langsam" oder so auf oder es gibt ein grünes "Danke", wenn ihr nicht zu schnell seid. Gibt es in Polen auch. Wir waren gestern auf dem Rückweg von einem großen Streichelzoo (in welchem Corona übrigens ausgerottet ist und deswegen alles wie früher auf der Cranger Kirmes ist). Auf einer Landstraße sah ich dann vor einem Ortseingang solch ein LED-Schild. Es leuchtete grün und zeigte "83 - Dziękuję!". Es bedankte sich also für meine Geschwindigkeit von 83km/h. Über die polnischen Verkehrsgewohnheiten habe ich ja in der Vergangenheit schon einiges gesagt - das war aber dann doch wieder ein Highlight. Kurwa (ich lerne aktuell die wichtigsten Vokabeln), das man nicht zu schnell fährt, kann einem -wie überall auf der Welt das Leben retten.

In Polen ist es vielleicht noch ein bisschen wichtiger, nicht auf einen Rettungswagen angewiesen zu sein. So gab es hier vor nicht allzulanger Zeit wohl mal einen interessanten Fall. Da die Wege, gerade auf dem Land, ins nächste Krankenhaus ziemlich lang sein können, kann sich euer Zustand schlimmstenfalls auf dem Weg dramatisch verschlechtern. Kommt ihr dann im blödesten Fall tot an, ist es wohl so, dass der erste Bestatter, der Vorort ist ein Vorrecht genießt, sich um die weitere "Behandlung" zu kümmern. Jetzt kannst du als Totengräber natürlich den ganzen Tag vorm Hospital sitzen und spekulieren oder einen anderen Businessplan haben. So gab es wohl einige Sanis, die - wenn sie merkten "Oh, wird ne enge Kiste" (sprichwörtlich natürlich - die Enge der Kiste kann der Bestatter besser beurteilen), direkt ihren Lieblingsbestatter anriefen und darauf aufmerksam machten, sich vielleicht auch auf den Weg zu machen. Der Bestatter zeigte seine Dankbarkeit dann, wenn der Patient verschied in Form von Bargeld. So 500 Zloty (<100€). Die Löhne sind auch in Polska nicht übermäßig hoch, also ein nettes Nebengeschäft. Jetzt war es aber so, dass einige Sanis wohl besonders unterbezahlt waren. Also entschieden sie, dem Patienten "Gift" oder sowas zu spritzen. Ich weiß nicht wie lange das "gut gegangen" ist, aber grundsätzlich hat das jetzt trotzdem nicht sonderlich Vertrauen für mich aufgebaut. 

Freitag, 16. Juli 2021

Mundschutz, Bier und Gewittertierchen

Auch dieses Mal muss der erste Blogeintrag damit beginnen, dass ich eigentlich keinen Blog schreiben wollte und nur durch meine zahlreichen und treuen Fans dazu getrieben wurde. Also liege ich hier und hoffe dass mein Sohn, der um kurz vor zehn normalerweise schon lange im Land der Träume (nicht Polen, no pun intended) ist, einschläft. 

Das bezeichnet unseren Urlaub in Polen dieses Jahr auch ziemlich treffend und genau deswegen, gibt es auch keine täglichen Einträge. 3/4 der Zeit, wird dem Jungen hinterhergerannt und dementsprechend wenig erlebt man dann auch, was abseits von so "Stolzen-Eltern-Geschichten" passiert. Jetzt sind wir aber seit Dienstag Morgen hier und haben jetzt Freitag Abend, sodass ich zumindest das eine oder andere erzählen kann, während mein tapferer Wikinger beginnt mir ins Ohr zu schnarchen. Und das tut er wirklich mit Inbrunst, aber wie gesagt - keine weiteren Kindergeschichten.

Wie der eine oder andere mit Sicherheit mitbekommen haben wird, gibt es weltweit aktuell so eine Erkältung, die vielen zu schaffen macht. Keine Ahnung, ob sich das auf Dauer durchsetzt, aber in Polen gibt es - ähnlich wie in Deutschland - klare Regeln, wie man die Ausbreitung unterbinden möchte. So muss man bei Betreten eines Geschäftes die Hände desinfizieren oder Einweghandschuhe anziehen. Außerdem ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen (ob der medizinisch sein muss, weiß ich nicht). Jedenfalls hat die Bevölkerung beschlossen, dass das nicht unbedingt so genau ausgelegt werden muss. Handschuhe trägt natürlich keiner, auch wenn die von einigen Läden ausgelegt werden. Ein Desinfizieren der Flossen konnte ich auch noch nicht wahrnehmen. Soweit so gut - macht bei uns ja auch nicht jeder...ist aber auch nicht verpflichtend bei uns. Den MNS haben die Polen dagegen besonders gern. Wenn überhaupt eine Maske getragen wird, dann über dem Mund. Die Nase bleibt frei - man muss ja atmen können. Teilweise wird das Ding auch unter dem Kinn getragen. Kann ja sein dass die Nase verstopft ist. 

Inzidenzmäßig ist das natürlich katastrophal. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 1,5. Seit Ende Mai ist Polen kein Risikogebiet gemäß RKI. Klar, bei derart krasser Disziplin. Impfungen liegen bei knapp 50%. Wie auch bei uns, ist auch hier der Großteil der Bevölkerung, der Bill Gates in Ordnung findet, soweit durch. Warten wir mal ab. 

Ansonsten isses hier unfassbar schwül. Ich habe noch nie dermaßen viele Gewittertierchen auf mir gehabt. Es ist eine Plage. Ich wusste gestern auch verdammt viel über diese Fransenflügler aber dann schmecken die Biere, wenn die Kinder im Bett sind, doch zu gut. Insofern kann ich darüber jetzt keinen Vortrag mehr halten. Tjoah, ich gönne mir jetzt noch ein paar leckere polnische Würstchen überm Lagerfeuer und dann solltet ihr, liebe Leser, mich unbedingt daran erinnern, euch zeitnah vom polnischen Rettungsdienst zu berichten. 

Sonntag, 20. Oktober 2019

Na gut, diesmal ist ausnahmsweise ok!

Berlin liegt hinter uns. Wir sitzen im Flixtrain in Richtung Dortmund. Wir haben ungefähr 624°C im Abteil, dafür aber keine furzenden, strickenden Ommas. Zu unseren Mitabteilern komme ich aber gleich noch. Das wird ohnehin kein langer Blogeintrag.

Wir haben gestern einen Besuch der Reichstagskuppel gebucht und sind selbstverständlich pünktlich erschienen um am Securityeingang die nötige Wartezeit einzuplanen. Hat gut geklappt, so sind wir sogar noch früher reingekommen. Beim Metalldetektor bzw bei der Ultraschallröntgenkernspinkontrolle ist dann dem aufmerksamen, in Anzug gekleidetem Securitymitarbeiter, in meinem Rucksack ein Vorhängeschloss aufgefallen. Das habe ich an meinem Schlüsselbund, weil ich damit im Fitnessstudio immer meinen Spind verschließe. Pff...beim Schreiben merke ich, dass ich das Schloss vielleicht mal ölen sollte oder so - habe schließlich fast drei Jahre nicht benutzt...

Jedenfalls wurde ich auf mein Vorhängeschloss angesprochen. 
- "Schuldigung! In ihrem Rucksack is ein Schloss!"
-"Ja, ich guck mal..."
Ich krame also meinen Schlüssel raus, zeige ihm der Sicherheitsfachkraft, woraufhin er mir dann doch 'nen Freifahrtschein ausstellt.
-"Na gut, diesmal ist ausnahmsweise ok!"

Zurück zu unserer gerade laufenden Zugfahrt. Wir sitzen zu viert in einem 6-Personen-Abteil. Uns gegenüber ein Pärchen - vermutlich frisch verliebt. Altersangabe erscheint mir völlig unmöglich. Die müssen zwischen 25 und 42 sein.
Naja jedenfalls müssen die sich durchgängig berühren, weil die ja so verliebt sind. Zwischendurch gibt's 'nen Schmatzer. Er turtelt die ganze Zeit in einer ruhigen hupsi-pupsi-Stimme zu ihr rüber und sie benutzt gern englische Begriffe von denen sie manchmal offensichtlich die deutsche Bedeutung nicht kennt. Ein Beispiel: er zeigt ihr was auf dem Handy, beide Lachen und stellen fest, dass das was für <Name> (hab ich vergessen) wäre. "Jaha, das wäre mal ne Apprischiäijschen!" 
Ob sie jetzt wirklich ein Dankeschön meinte, oder glaubt, dass das Überraschung oder ähnliches heißt weiß ich nicht.
Gerade haben sie die Abteiltür geöffnet. Damit ein bisschen "fresch ähr" reinkommt. 

Wenn ich beurteilen müsste, wer der beiden Turteltauben verliebter ist, würde ich sagen ER! Ständig schaut er sie verliebt an und schaut ihr tief in ihr Gesicht. Und das soll was heißen. Nicht, dass sie hässlich wäre...naja eine Schönheit ist sie auch nicht, aber sie hat ein GIGANTISCHES Muttermal an der Augenbraue! Also wirklich unfassbar groß und auffällig. Wir haben zuhause für den schnellen Hunger immer eine Packung Fertigfrikadellen aus dem Kühlregal - ich glaub die kaufen wir jetzt erstmal nicht mehr...

Freitag, 18. Oktober 2019

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

Lange habe ich es nicht mehr für nötig gehalten, mal wieder einen Blogeintrag zu machen und meine wilden Reiseerlebnisse zu teilen. Und wir haben Reisen gemacht. Aber es muss halt auch etwas passieren oder unfassbar faszinierend sein, damit ich es erzähle.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im "Flixtrain". Das ist sowas wie ein "Flixbus", nur eben als Zug und eben nicht von der Deutschen Bahn. Wir sind auf dem Weg in unsere Hauptstadt um unsere Touristenbedürfnisse zu stillen. Ich habe diese Fahrt vor einigen Wochen gebucht und war erstaunt wie günstig wir mit dem Zug nach Berlin kommen, da war selbst eine Sitzplatzreservierung drin. Ich konnte sogar Plätze wählen. Natürlich habe ich ein Abteil gewählt - da kommt man so selten zu. 

Als wir nun in Dortmund die Eisenbahn in Richtung Osten betraten... Nein, Stop! Der Weg dorthin bot noch ein weiteres Highlight, ich muss weiter ausholen: Wir sind bereits in Kamen in einen Zug gestiegen um nach Dortmund zu kommen. Neben uns saßen zwei MSV Duisburg Fans - was ich nur schreibe, damit ihr ein Bild davon habt, dass dort zwei Mitt-/End-Fuffziger mit blau-weißen Schals saßen, die ihre Nullfünfer-Krombacher konsumierten. Wie auch immer, unsere Regionalbahn musste kurz anhalten um einen anderen Zug überholen zu lassen. Es stellte sich raus, dass der überholende Zug ein Flixtrain war. Dies animierte einen der beiden eben beschriebenen Rasensportanhänger, einen Monolog darüber zu halten, dass diese Scheiß-Flixdinger abgeschafft gehören. Wat soll dat denn überhaupt? Dat die sowat erlaubt haben. Geht nur um Geld, nich umme Kunden. Eisenbahn könnte so schön sein ohne Kunden, denken die ganzen Zugleute doch. Er würde mit sowat da nicht fahren. War ein nettes Gespräch, das wir uns da in der EUROBAHN angehört haben.

Zurück in unseren Fernzug. Abteil. Wir mussten voller Erschrecken feststellen, dass unser 5-Personen-Abteil voll war. Glücklicherweise erhoben sich zwei Personen und machten unsere Plätze frei. Nun sitzen wir hier. Uns gegenüber ein älteres Paar, ich würde Anfang 60 tippen. Links neben mir 'ne Frau in einer ähnlichen Alterskategorie, die mich bekloppt macht. Die strickt die ganze Zeit (ohne dass ich nach mittlerweile drei Stunden einen Fortschritt sehen könnte). Zum Glück isses ruhig...oder auch nicht! Dat Geklimmper von den kack Stricknadeln, macht mich bekloppt!

Die Strickerin wirkt ein bisschen...sagen wir alternativ. Hippie. Die hat sonne Bollerbuchse an und die ganze Zeit die Mauken hoch. Außerdem ist die schuselig ohne Ende. Die lässt ständig ihre Nadeln oder was anderes fallen. Ich meine auch fiese Blicke gespürt zu haben als ich meinen Bobby (eine dicke Wurst eingebacken in Teig und überbacken mit Käse! Danke Lukas!) gegessen habe. Soviel erstmal zu ihr...gleich noch mehr. 

Erstmal zum Flixtrain. Das sind alte ausrangierte Waggons von der Bahn. Alles gut, hat seinen Charme. Was nicht seinen Charme hat, ich jetzt aber nicht auf den Betreiber schieben will - das Klo! Alter! Ich bin auch schon auf Stadionfahrten auf Zugtoiletten gewesen aber das? Uagh! So siehts nicht mal auf B3 aus, wenn da einer drei Tage nicht kontrolliert #Knastinsider

So...zurück zur Strickerin. Die hat auch so einen widerlichen Raucherhusten...Buah. Vorhin, ist ihr wieder was runtergefallen zum 723. mal. Sie bückt sich, lässt einen krachen und sagt "Oh"! Kein Entschuldigung oder was auch immer...nee...oh! Nicht, dat mir nicht auch schon mal aus Versehen Luft aus dem Körper getreten wäre aber OH? In einem geschlossenen Abteil? Naja... 

Später hat sie sich dann die Bütterkendose geöffnet. Gott, hasse ich den Duft von Butterbrot! Ich esse es selber und alles aber boah, hasse ich das. Das ältere Paar gegenüber hat gerade 'ne Mandarine gegessen, das ist bislang das schönste Erlebnis dieser Zugfahrt.